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Newton des Grashalms.
Anspruch und Wirklichkeit von Darwins Theorie


Prof. Dr. Christian Kummer S.J.
Professor für Naturphilosophie,
Hochschule für Philosophie

Montag, 16. Februar 2009 um 19:30 Uhr
AkademikerPastoral
Lämmerstraße 3, 80335 München



Zum Thema:

Die Evolutionstheorie von Charles Darwin stellte schon im 19. Jahrhundert die Wasserscheide des modernen Denkens dar. Zu dieser Zeit emanzipierte sich die Naturerkenntnis von der Religion. Aber selbst 150 Jahre später ist der Streit über den Darwinismus nicht beendet. Noch heute glauben bibeltreue Christen an die Schöpfung, wie sie in der Bibel steht. Im Gegensatz dazu herrscht unter Biologen eine atheistische Haltung vor.

Christian Kummer setzt sich in seinem Vortrag mit diesen scheinbar unvereinbaren Positionen kritisch auseinander: In der Gesamtschau zeigt sich, dass "Inteligent Design" und "Kreationismus" zwar untaugliche Erklärungsversuche sind, die hinter den heutigen Wissensstand zurückfallen. Umgekehrt muss das Modell der Evolution nicht zwangsläufig einen Schöpfergott ausschließen. Christian Kummer versucht eine Brücke zwischen der Theologie und der modernen Naturwissenschaft zu schlagen und leistet damit zugleich einen wichtigen Beitrag zur Debatte über den "Neuen Atheismus".


Zur Person:

Christian Kummer (Jahrgang 1945) studierte zwischen 1966 und 1972 Philosophie und Theologie an den Ordenshochschulen in Pullach und Frankfurt am Main. Anschließend studierte er bis 1977 Biologie an der Universität München. Im Jahre 1983 wurde er an der Hochschule für Philosophie in München promoviert und im Jahre 1996 habilitiert. An der Hochschule für Philosophie ist er seit 1983 in der Lehre tätig. Im Jahre 1987 wurde er dort Dozent, im Jahre 1997 erhielt er eine außerordentliche Professur. Seit 2002 lehr er als ordentlicher Professor für Naturphilosophie an der Hochschule für Philosophie und leitet das Institut für naturwissenschaftliche Grenzfragen zur Philosophie und Theologie.

Christian Kummer ist seit 1964 Mitglied des Jesuitenordens. Im Jahre 1973 wurde er zum Priester geweiht. Gegenwärtig ist er im Pfarrverband Aufkirchen als Seelsorger tätig. Christian Kummer arbeitet darüber hinaus in verschiedenen interdisziplinären Arbeitskreisen mit, wie etwa dem Arbeitskreis "Naturwissenschaft und Theologie" der Katholischen Akademie Frankfurt am Main oder dem Gesprächskreis "Kirche und Wissenschaft" der Katholische Akademie in Bayern. Er ist überdies Mitglied verschiedener Bioethik-Kommissionen, wie beispielsweise in der Bayerischen Bioethik-Kommission oder im Ethikrat der Novartis Pharma AG in Basel.

Forschungsschwerpunkte: Einen Schwerpunkt der Forschungstätigkeit von Christian Kummer bildet die Philosophie des Werdens, die sich insbesondere mit der Keimesentwicklung, der Lebensentstehung sowie der Ganzheitstheorie des Organismus beschäftigt. Darüber hinaus forscht er im Bereich der Bioethik zum Lebensbeginn des Menschen und zur verbrauchenden Embryonenforschung.


Ausgewählte Buchveröffentlichnungen: Evolution als Höherentwicklung des Bewusstseins, Freiburg/München: Alber 1987. Philosophie der organischen Entwicklung, Stuttgart: Kohlhammer 1996. Die andere Seite der Biologie. Beiträge zu einer morphologischen Naturerfassung in Erinnerung an den Jesuitenbiologen Adolf Haas (1914-1982), München: Books on demand 2003 (Herausgeber).

Ausgewählte Buchbeiträge: Wie viel Erfahrung braucht die Biologie?, in: Esterbauer, R., Pernkopf, E. und Schönhart, M. (Hrsg.): Spiel mit der Wirklichkeit. Zum Erfahrungsbegriff in den Naturwissenschaften, Königshausen & Neumann: Würzburg 2004, S. 67-79. Was spricht gegen Stammzellen und Klonen? Zur Beurteilung der verbrauchenden Embryonenforschung, in: Tannert, C., Wiedemann, P. (Hrsg.): Stammzellen im Diskurs. Ein Lese- und Arbeitsbuch zu einer Bürgerkonferenz, oekom: München 2004, S. 43-53. Der Biologe vor dem Leiden der Kreatur, in: Weingartner, P. (Hg.): Das Problem des Übels in der Welt, Peter Lang: Frankfurt a.M. 2005, S. 99-119. Zum Diskurs der Beurteilung des menschlichen Lebensanfangs – naturphilosophische Überlegungen, in: W. Bender, C. Hauskeller, A. Manzei (Hrsg.): Grenzüberschreitungen. Kulturelle, religiöse und politische Differenzen im Kontext der Stammzellenforschung weltweit, Agenda: Münster 2005, S.61-76. Genom und Organisation System und Subjekt. Auf der Suche nach der wiedergewonnenen Ganzheit des Lebendigen, in: Erwägen Wissen Ethik, Jg. 16/2005, S. 189-190. Evolution und Schöpfung. Zur Auseinandersetzung mit der neokreationistischen Kritik an Darwins Theorie: Stimmen der Zeit 224 (2006) 31-42.